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Sprache: Sprachschützer

 

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Logozid — Oder: Wie hoch ist die dosis lethalis bei Anglizismen?
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Thesen des Vereins zur Wahrung der deutschen Sprache (neuer Text auf: Leitlinien) Kommentar
Worum es geht Hinweis: [Aussprache eines Wortes]
Die Sprachen und Kulturen Europas werden in zunehmendem Maße von angloamerikanischem Sprach- und Kulturgut beeinflusst. Das hat letztlich einen Identitätsverlust der betroffenen Völker und Volksgruppen zur Folge. Am weitesten fortgeschritten ist dieser Prozess in den deutschsprachigen Ländern Deutschland und Österreich. Das "angloamerikanische Sprach- und Kulturgut" gehört historisch und ethnisch ebenfalls zu den "Sprachen und Kulturen Europas". England ist sogar Teil Europas, die USA wurden von England, Spanien und Frankreich kolonisiert, wobei die in Nordamerika beheimateten Sprachen und Kulturen zu einem großen Teil vernichtet wurden. Wenn jemand das Recht, von "Identitätsverlust der betroffenen Völker" zu sprechen, dann die nativen Völker in Kanada, USA, Mexiko usw.
Die übergroße Zahl von Amerikanismen und Anglizismen führt zu Verstehens- und Verständigungshindernissen, vor allem bei älteren Menschen und bei Menschen ohne entsprechende Kenntnisse in der englischen Sprache. Nach Artikel 3 Abs. 3 Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland darf niemand wegen seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache usw gesellschaftlich benachteiligt werden. Das Demokratiegebot des Grundgesetzes muss nach unserer Auffassung in seinen Konsequenzen für den alltäglichen Sprachgebrauch (nachfolgend als “Alltagssprache” bezeichnet) neu bedacht und erörtert werden. Während Wörter aus dem lateinischen und romanischen Sprachraum größtenteils lautsprachlich assimiliert wurden (Das französische Wort "nation" wird im Deutschen [na'tsio:n] ausgesprochen, ohne Nasal.), gilt es als "ungebildet", englischsprachige Wörter deutsch auszusprechen. Im Fußball gibt es demzufolge keinen [trainer], sondern einen [traener]. Auch das anlautende "s" wird nicht, wie sonst im Deutschen üblich, stimmhaft, sondern wie im Englischen stimmlos gesprochen: also [saet], nicht [zaet].

Diese nicht-deutsche Aussprache der englischsprachigen Wörter ist einer der Hauptgründe für die Ablehnung von Anglizismen.

"Verstehens- und Verständigungshindernisse" haben Menschen nicht nur, wenn sie auf unbekannte Wörter stoßen, sondern auch, wenn bekannte Wörter neue Bedeutungen haben. Mehr noch gilt das, wenn die Wörter Teil einer Fachsprache sind, die nicht Allgemeingut ist. "Verstehens- und Verständigungshindernisse" hier zu beseitigen, wäre eine wesentlich größere Aufgabe.

Die Bezugnahme auf den Art. 3 des Grundgesetzes ist indes nur ein Vorwand für eigene Politik.

Unsere Sprache lebt und erfährt durch die Übernahme treffender Ausdrücke aus anderen Sprachen eine Bereicherung. Diese Erkenntnis hat heute in ihrer Anwendung auf Begriffe der Wirtschaft, der Technik und der Wissenschaft, deren Übernahme im Zuge der Globalisierung unvermeidbar erscheint, eine besondere Aktualität. Wir reden darum keinem Purismus, keiner Deutschtümelei und schon gar keinem Sprachchauvinismus das Wort. Hier sichert sich der Verein gegen den Vorwurf ab, hinterwäldlerisch erscheinen zu können. Wenn man das Argument ernstnimmt, zerfällt die ganze Anti-Anglizismusrhetorik: In der Regel haben nur die Importwörter Bestand, die aufgrund ihrer festen begrifflichen Verankerung in bestimmten Wissens- und Fachbereichen zu deren sprachlicher Formulierung beitragen.
Unsere Sprache, die von jedem Mitglied der deutschen Sprachgemeinschaft als Muttersprache neu erlernt werden muss, erleidet durch den unverhältnismäßig stark zunehmenden Gebrauch von Wörtern und Wendungen aus dem angloamerikanischen Sprachraum zugleich Schaden mit negativen Konsequenzen für den Prozess der Identitätsfindung der Individuen. Die "Identitätsfindung der Individuen" ist ein komplexer psychologischer Prozeß (ich benutze die alte Rechtschreibung!), der nichts damit zu tun hat, ob der Einzelne ein paar englische Sprachbrocken verwendet oder überhaupt schlechtes Deutsch spricht. Hingegen ist der Versuch, über politische Instanzen und über die Bildungseinrichtungen den Bürgern eine bestimmte Sprache vorzuschreiben, ein höchst undemokratischer Eingriff in die Privatsphäre und kann u.U. zu Störungen beitragen.
Durch das ungehinderte Eindringen von angloamerikanischen Wörtern und Wendungen droht sich insbesondere die deutsche Sprache in einem Maße zu verändern, das weit über das hinausgeht, was sie in ihrer Geschichte durch Übernahmen z.B. aus dem Lateinischen und Französischen erfahren hat. Die Wörter dringen nicht ungehindert ein - das verwendete Bild ist falsch, sondern sie werden von Menschen übernommen und verwendet. Der Verein vergleicht den Import der Anglizismen mit dem der Latinismen und Romanizismen früherer Jahrhunderte; damals war die deutsche Sprache weitaus gefährdeter als heute (mehr dazu).
Die eingeschleusten angloamerikanischen Wörter und Wendungen werden dabei meist unangepasst an die Struktur der deutschen Sprache verwendet, so dass deren Regelsystem und ihr Tiefencode beschädigt werden. Den "Tiefencode", von Noam Chomsky im Rahmen seiner Generativen Grammatik eingeführt, wurde von ZEIT-Redakteur Dieter E. Zimmer (besprochen von Gerlinde Ulm Sanford, New York) für seine Anglizismuskritik entdeckt und abgewandelt.
Zimmer "unterscheidet fünf Ebenen, auf denen jede Sprache ganz bestimmte Regeln aufweist, die phonemische, die morphemische, die Ebene der Beziehungen zwischen Lauten und Buchstaben, die morphologische und schließlich die syntaktische Ebene.
'Normalerweise heißen sie im Deutschen nicht so, aber hier sollen die Regeln dieser fünf Ebenen kurz als der "Code" einer Sprache bezeichnet werden - und da dieser Code keinem ihrer Sprecher je zur Gänze bewußt wird, daß er ihn ausformulieren könnte, da nur ein paar Sprachwissenschaftler mehr als eine Handvoll seiner Regeln angeben könnten, soll er hier «Tiefencode» heißen.'"

Zimmer erhebt den Vorwurf, daß ein Großteil der importierten englischsprachigen Wörter nicht der deutschen Phonemik und Morphologie angepaßt wird. Beispiel: "Du hast das backuped? backupt? gebackupt? upgebackt? aufgebacken?" Zudem wird "Backup" nicht [bakup], sondern [baekap] gesprochen.

Korrekt wäre die 3. Lösung: "gebackupt" als Partizip Perfekt von "backup", sofern dies als Verb verwendet wird. Normalerweise wird das Wort in dieser Form überwiegend nur gesprochen oder im Usenet verwendet, in dem sich viele ohnehin wenig um "Recht(s)sprachlichkeit" scheren oder bewußt dagegen verstoßen (Hierzu siehe Aufsatz "Online schreibt jeder, wie er will" von Maria Benning in Telepolis).

Tatsächlich liegen jedoch in keinster Weise Regelverletzungen vor. Ein schlechter Deutschunterricht unterstellt zwar, daß die Sprache eine ontologische Entität ist bzw., schlimmer, als halbstaatliche Institution mit Sanktionsrechten begriffen wird; in Wirklichkeit ist sie gebunden an ihre Sprecher und Teil des sozialen Systems, das diese bilden. Die Tatsache, daß "Abstriche" der Sprache in Form von Texten konserviert werden, erhebt diese allenfalls zu Orientierungspunkten beim schriftlichen Formulieren. Aber auch hier gilt, daß die üblicherweise verwendete sprachliche Form vom sozialen Kontext abhängt. Die Sprache eines Besinnungsaufsatzes z.B. wäre in einem Bewerbungsschreiben ebenso deplaziert wie die lockere Art, sein Posting in einer Newsgroup zu verfassen. Die Fähigkeit eines Sprechers, seine Sprache zu beherrschen, schließt somit immer auch die Fähigkeiten ein, verschiedene Codes, Schriftformen und Ausdrucksweisen je nach Anlaß und Adressat anzuwenden.

Die Eindämmung dieses Prozesses betrachten wir deshalb als unsere vorrangige Aufgabe. Auf die real existierende Komplexität der (deutschen) Sprache gehen die Sprachschützer nicht ein. Für sie ist Sprache eine halbstaatliche Institution mit Sanktionsrechten, und sie maßen sich an, Vollstrecker der - vermutlich von ihnen definierten - Sanktionen zu sein.
Die Fachsprachen und verbunden damit die jeweilige Terminologie verschiedener Wissenschaften nehmen insoweit eine Sonderstellung ein, als es mehr als in der Alltagssprache sinnvoll sein kann, Anglizismen, insbesondere solche mit international gebräuchlichen Wortstämmen, nicht durch deutsche Begriffe zu ersetzen. Entsprechendes gilt für eine Reihe von Internationalismen. Hier wiegeln sie wieder ab, um nicht als Hinterwäldler zu gelten. Die Anglizismen "mit international gebräuchlichen Wortstämmen" oder gar die "Internationalismen" (??) wollen sie akzeptieren, falls diese in "Fachsprachen" verwendet werden. Die Obrigkeit läßt Gnade walten und gestattet einigen Experten, sich angemessen auszudrücken. Soviel zum Demokratieverständnis des Vereins.
Was wir wollen
Wir wollen dem oben geschilderten Prozess entgegenwirken, gemeinsam mit gleichgerichteten Initiativen in Deutschland und anderen europäischen Ländern, sofern diese nur auf die Erhaltung der sprachlichen und kulturellen Vielfalt Europas gerichtet und nicht mit nationalistischen oder revisionistischen Zielsetzungen verbunden sind. Hier artikuliert sich ein politischer Wille, den es durchzusetzen gilt, auch in Europa (Soll England von den Anglizismen befreit werden?). Der Verein möchte überdies nicht als "nationalistisch" oder "revisionistisch" gesehen werden. "Revisionismus" ist zwar kein Anglizismus, aber zumindest erklärungsbedürftig, da sich das Wort auf verschiedenste Gebiete beziehen läßt.
Insofern entsprechen unsere Bemühungen wichtigen Kernforderungen einer europäischer Sprachpolitik, z.B.
  • Wahrung der nationalen Identitäten durch Förderung der eigenen Nationalsprachen,
  • Pflege und Weiterentwicklung des eigenen sprachlich-kulturellen Erbes.
Es folgen ein paar leere Hülsen. Was heißt z.B. "Pflege und Weiterentwicklung des eigenen sprachlich-kulturellen Erbes"? Ist das im Sinne der früheren DDR zu verstehen, für die das "Erbe" ein zentrales Ideologem war?
Wogegen wir uns wenden
Wir wenden uns dagegen, dass Produkte und Dienstleistungen ganz oder teilweise in englischer Sprache ausgezeichnet, beschrieben und beworben werden, mit dem erklärten Ziel, durch die Bildung eines Stammes von international gebräuchlichen Wörtern Marktvorteile dadurch zu erlangen, dass Produktbezeichnung, Produktbeschriftung und Produktbeschreibung nur noch in einer Sprache, nämlich in Englisch, ausgeführt werden müssen. Wenn soviele Menschen die aus dem Englischen stammenden Wörter nicht verstehen, wieso werden dann "Produkte und Dienstleistungen ganz oder teilweise in englischer Sprache ausgezeichnet, beschrieben und beworben"? Wenn ich die Produktwerbung, -beschreibung und -auszeichnung nicht verstehe, weiß ich doch letztlich nicht, was mir angeboten wird, so daß ich das Produkt nicht kaufe. Kein Anbieter würde es wagen, auf Dauer mit unverständlichen Mitteln auf dem Markt zu agieren. Er kann es nur, weil die englischsprachigen Bezeichnungen eingeführt sind.
Was der Verein hier behauptet, ist in der Regel falsch bzw. trifft nur für Randbereiche zu. Falls Produkte nicht Importwaren sind, dann sind sie in der Regel überwiegend mit deutschen Texten versehen. Aber selbst die meisten ostasiatischen, amerikanischen und Hersteller aus anderen Ländern bringen ihre Waren mit deutschen Texten auf den Markt. Lediglich bestimmte Fachausdrücke werden im Original belassen (z.B. "CD-ROM", "Tuner", "Equalizer"), die von den Käufern der Computer bzw. Unterhaltungselektronik aber in dieser Form erwartet werden, weil sie sich eingebürgert haben.
Wir wenden uns dagegen, dass zur Erreichung dieses Zieles die Bevölkerung gezielt dahingehend manipuliert wird, dass ihr die Verwendung englischer Begriffe als Synonym für Weltläufigkeit und Modernität suggeriert wird. In der Argumentation des Vereins folgt nun der Manipulationsvorwurf. Die Bevölkerung will eigentlich keine Anglizismen, sie ist nur so manipuliert worden, daß sie gar nicht anders kann, als diese zu übernehmen. In Wirklichkeit ist es der Verein, der manipuliert, indem er bestimmte Randerscheinungen heraushebt und sie als durchgängige gesellschaftliche Realität hinstellt.
Wir wenden uns dagegen, dass dadurch ganze Bevölkerungsgruppen sprachlich ausgegrenzt werden, weil sie keine hinreichenden Kenntnisse der englischen Sprache besitzen, um sich am Markt zu orientieren und dass sie dadurch bei der Auswahl von Waren und Dienstleistungen benachteiligt werden. Die Behauptung, die englische Sprache lasse sich zu Werbezwecken besser “verdichten”, weisen wir als Schutzbehauptung zurück; wir meinen, dass man mit Ideen und Sprachgefühl in deutscher Sprache ebenso wirkungsvoll werben kann Hier kommt pure Propaganda hinein: Niemand wird vom Kauf eines Produkts oder einer Dienstleistung abgehalten aufgrund mangelnder Englischkenntnisse, allenfalls wegen seiner sachlichen Unkenntnisse. Allein der Mangel an Finanzkraft hält Menschen davon ab zu kaufen, was sie haben wollen.

Im übrigen setzen Werbetexter die deutsche Sprache durchaus produktiv ein, wenn sie z.B. von "Aprilfrische" sprechen.

Wir wenden uns dagegen, dass auch Dienstleistungsbetriebe, auf deren Inanspruchnahme jeder Bürger angewiesen ist, diesem Trend folgend englischssprachige Bezeichnungen einführen und den Bürger dadurch zwingen, in einer Fremdsprache mit ihnen zu kommunizieren (Beispiele: Servicepoint statt Auskunft bei der Bahn.) Die sprachlichen Schnitzer von Telekom und Deutscher Bahn gehören sicherlich nicht zu den Höhepunkten der Sprachkunst, lassen sich aber auch nicht verallgemeinern. Die "Auskunft" ist im übrigen immer noch etwas anderes als ein "Servicepoint", der laut Bahn folgende Bedeutung hat:

Service-Points
ServicePoint - Der Mittelpunkt vom Bahnhof

An nunmehr 87 Bahnhöfen bilden die ServicePoints die zentrale Anlaufstelle für den Kunden.
Alle Informationen rund um Reiseverbindungen, Zuglauf, Services sind hier für Sie kostenlos erhältlich, an den größten Bahnhöfen sind wir sogar 24 Stunden für Sie im Einsatz. Sie treffen also immer auf einen kompetenten Ansprechpartner.
Bei Unregelmäßigkeiten stellen die Mitarbeiter Bescheinigungen aus und bemühen sich um Kompensation.
Fahrkarten können Sie an den ServicePoints allerdings nicht kaufen, denn wir widmen uns gänzlich Ihrer Beratung.
  (Quelle von 1999 nicht mehr auf der Homepage der Bahn AG)

Wir wenden uns dagegen, dass Berufs- und Industrieverbände und selbst Regierungsstellen bevorzugt englischsprachige Schlagworte verwenden, wenn sie die Jugend ansprechen: (Beispiel JUMP für ein Programm zur Lehrstellenbeschaffung und Think Ing. für eine Werbeaktion für ingenieurwissenschaftliche Studiengänge). Schlimmer noch: "Die Jugend" wird teilweise mit Stellenanzeigen angesprochen, die durchgängig auf Englisch gehalten sind. Leider gibt es heutzutage Jobs, die gute bis sehr gute Englischkenntnisse verlangen.
Was wir vorschlagen
Wir schlagen vor, dass Begriffe und Redewendungen aus dem Englischen nur dann in die Alltagssprache übernommen werden, wenn kein treffender Ausdruck in deutscher Sprache vorliegt und sich ein solcher auch nur schwer bilden lässt.
Beispiele:
nicht Slow Motion statt Zeitlupe
nicht Event statt Ereignis
nicht Joint venture statt Firmenverbund
nicht Highlight statt Höhepunkt, Glanzlicht
aber doch Pullover statt Überzieher
aber doch Hobby alternativ zu Steckenpferd
aber doch Standard differenzierend zu Norm
Hier beginnt die Tätigkeit einer Sprachpolizei. Zunächst werden "Vorschläge" gemacht, welche englischsprachigen Wörter nur übernommen werden dürfen. "Slow Motion" soll nicht verwendet werden, ebensowenig "Event", dafür muß man "Zeitlupe" nehmen, was ohnehin üblich ist, und "Ereignis", obwohl "Event" begrifflich enger gefaßt ist als "Ereignis". Daß ein "Firmenverbund" auch etwas anderes sein kann als ein "Joint venture", ist den Sprachhütern offenbar entgangen. "Steckenpferd" ist ein Wort, das veraltet ist und schon deswegen gegenüber "Hobby" einen schlechten Stand hat. Wer veraltete Wörter verwendet, evoziert auch das Veraltetsein, provoziert, gibt etwas der Lächerlichkeit preis oder - ist naiv. "Norm" ist etwas ganz anderes als "Standard".

Mit dem "Überzieher", laut Hermann Pauls "Deutschem Wörterbuch" ein 'Herrenmantel', ins Deutsche eingeführt Ende des 19. Jahrhunderts, hat der Verein voll daneben getroffen. Wer dieses Wort heute benutzt, könnte auf Adressaten stoßen, die darunter ein "Bekleidungsstück" für ein ganz anderes, eher männliches Körperteil verstehen. - Den "Pullover" gibt es schon seit 1925.

Wir schlagen vor, in der Alltagssprache entbehrliche Anglizismen und Amerikanismen in einer entsprechenden Liste (bzw. in einem entsprechenden Wörterbuch) zusammenzustellen. Hier soll eine Schwarze Liste inkriminierter Wörter erstellt werden, mit der die Sprachpolizei dann durch die Lande zieht.
Wir schlagen vor, dass die vorgestellten und erläuterten Ziele in Schulen, Hochschulen und anderen Ausbildungsstätten, in Presse, Funk und Fernsehen sowie in den Behörden zum Nutzen aller deutschsprechenden Bürgerinnen und Bürger umgesetzt werden. Aus diesem Grunde suchen wir das Gespräch mit allen Verantwortlichen (Firmen, Behörden, Journalisten, Werbeagenturen und Schriftstellern, Lehrern und Ausbildern, Kultusministerkonferenz, Konferenz der Innenminister usw). Und hier wird das politische Ziel angegeben: Bildungseinrichtungen, Medien, Regierungsstellen und Behörden sollen aktiv die Anti-Anglizismuskampagne des Vereins umsetzen. Das ist nur möglich, wenn man die entsprechende Macht hat, denn man kann solche Ziele - vermutlich größtenteils gegen den Willen der Betroffenen - nur durchsetzen, wenn man ihnen die Sprache vorschreiben kann.
Wofür wir eintreten
Wir treten dafür ein, dass die deutsche Sprache als Lehr- und Wissenschaftssprache erhalten bleibt, weil sie sonst ihre Fähigkeit verliert, sich der Moderne anzupassen und auch ihre Assimilationskraft einbüßt, was der Tod jeder Sprache ist. Dazu müßten die Wissenschaften in Deutschland entsprechende Leistungen bringen. Man kann nicht ganze Wissenschaftseliten ausbürgern bzw. umbringen (in den 30er und 40er Jahren) und danach jammern, daß Länder wie die USA nunmehr den Ton in der Wissenschaftswelt angeben. Zudem sind Universitäts- und Wirtschaftsstrukturen in Deutschland so verknöchert, daß viele junge Wissenschaftler, die Ideen umsetzen möchten, entnervt aufgeben und in die USA auswandern, wo sie in der Regel mit offenen Armen empfangen werden.
Wir treten weiter dafür ein, dass Deutsch, mit Abstand die am meisten verbreitete Sprache in der Europäischen Union, ein gebührender Platz in der EU eingeräumt wird. Das sollte doch nicht schwierig sein, da doch alle Europäer ihren gebührenden Platz haben wollen, vielleicht manche gebührender als andere.
Wir fordern die Verbraucherverbände auf, die Interessen der Verbraucher in dieser Hinsicht ... In Hinsicht auf das Eintreten in der EU? auf das Eintreten für Deutsch als Wissenschaftssprache? Liebe Sprachschützer! auch Deutsch will gelernt sein!
... zu vertreten; wir mahnen Firmen und Institutionen an, die ganz oder teilweise mit englischsprachigen Texten werben und Waren in englischer Sprache bezeichnen, ihrer Informationspflicht in der Landessprache nachzukommen. Wir vergeben Negativauszeichnungen an diejenigen, die am deutlichsten gegen dieses Gebot verstoßen. Auch der Verein verstößt gegen das "Gebot", sich verständlich auszudrücken. Seine Sprache mag zwar noch für einen Besinnungsaufsatz in der Oberstufe hinreichen, aber nicht, wenn man für das Deutsche werben will.
Außerdem: Verbraucherverbände sollen die Verbraucher vertreten und nicht die Interessen der Sprachschützer.
Wir fordern Politiker, Literaten und Sprachwissenschaftler auf, die Bedrohung unserer Sprache durch die Überschwemmung mit angelsächsischem Wort- und Sprachgut samt fremder Grammatik und fremder Syntax wahrzunehmen und sich für den Erhalt der deutschen Sprache als selbständige Kultursprache einzusetzen. Vor einigen Jahren war es die "Asylantenschwemme", jetzt ist es die "Überschwemmung mit angelsächsischem Wort- und Sprachgut samt fremder Grammatik und fremder Syntax". Xenophobie nennt man das, zu Deutsch: "Fremdenfeindlichkeit". Insbesondere die Literaten werden sich bedanken, sich zu Bütteln fremder Herrschaftsansprüche machen zu lassen.
Dabei könnte den Politikern ein Blick auf unsere französischen Freunde nicht schaden. Die "französischen Freunde" sind schon deswegen kein Vorbild, weil sie u.a. dazu beigetragen haben, daß Deutsch keine EU-Amtssprache (mehr) ist.
Wir werden bevorzugt solche Waren kaufen, die in deutscher Sprache ausgezeichnet sind und für die in deutscher Sprache geworben wird. Wir bleiben dabei selbst bemüht, englische Wörter und Redewendungen nicht unreflektiert zu gebrauchen, und wirken auf unsere Umgebung ein, dass sie sich gleichermaßen verhält. Da kann man nur sagen: Kauft keine von "Weltläufigkeit" und "Modernität" geprägten Waren mehr. Keine PCs, kein Cassettendeck (die Amerikaner sagen dazu übrigens "tape deck"), keine Hifi-Anlage, keinen Videorecorder ("videotape recorder" in der Herkunftssprache). Bei diesen Beispielen zeigt sich ein starker Trend zur lautlichen Eindeutschung: [pe: tse:] statt [pi: si:], [vide:o:] oder gar [fideo] (Kölsch) statt [video].

Last Update: 07.02.11

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